Der Titel des Arthouse-Films wurde streng nach Känguru-Kriterien gewählt: eine alltägliche Handlung wird verknüpft mit einem exotischen Ort. Von Viktor Lehmann.

Erster Akt

Josef Ratzinger sitzt am Schreibtisch in seinem Rückzugsdomizil. Den Federkiel in der Hand lässt er sein vergangenes Leben Revue passieren und versucht verzweifelt, durch verschiedene Pamphlete sein Lebenswerk als früherer Papst zu retten. Dabei tritt er in einen inneren Monolog, an dem er uns in getragenen Bildern teilhaben lässt.

Bild von Bruno Glätsch auf Pixabay

Wir werden Zeuge, wie der reinigende Prozess des Schreibens ihn zu der Erkenntnis führt, dass die böse Welt und die sexuelle Revolution die Priesterseminare pervertiert haben und die schwule Dekadenz dort Einzug gehalten hat. Wir erfahren nicht nur, dass die Kirche keinerlei Festigkeit hatte, eigene Normen und Werte durchzusetzen, sondern auch, dass es sich bei der Verschiebung gesellschaftlicher Normen um eine komplette „Auflösung von Normen“ handelt. Denn wie jeder gute Katholik weiß, sind die Normen Anderer überhaupt keine Normen, weil sie ja nicht vom Papst abgesegnet sind. Während er zur Toilette geht und dort wichtige Logik hinunterspült, kommt ihm ein wichtiger Gedanke: „Das Martyrium ist eine Grundkategorie der christlichen Existenz.“ Denn wer nicht leidet und an Gott zweifelt, hat weder je richtig geglaubt noch gelebt. Als der Heilige Geist kurz über ihn hernieder kommt, um ihm zu sagen, dass Jesus Christus für uns Menschen gestorben ist, damit wir leben können und eben NICHT mehr leiden müssen, fängt er die Taube und freut sich auf ein gutes Mittagessen.

Zweiter Akt

Der zweite Akt setzt unmittelbar nach dem Verdauungsschlaf ein. Der unsanft klingelnde Wecker spült das Thema „Missbrauch“ in seinen Kopf und ein Zettel neben dem Bett erinnert ihn daran, dass er sich noch Gedanken darüber machen muss, welches eine gerechte Strafe für einen mißbrauchenden Priester ist. Irgendwie dämmert ihm, dass er eine wichtige andere Frage vergessen hat. Der Off-Sprecher sagt uns, es handle sich dabei um die Frage, welche Gerechtigkeit und Wiedergutmachung denn die Missbrauchten erfahren sollen. Da Ratzinger aber keine Verbindung zum Off-Sprecher hat, bringt er zu Papier, dass man die Täter dadurch unglaublich hart bestrafe, indem man sie aus dem Klerus ausschließe. Höchststrafe! Dramatischer Blackscreen.

Während er einen kleinen Privatgottesdienst mit Eucharistiefeier zelebriert, sehen wir in einer Parallelmontage sein Gespräch mit einer mißbrauchten Ministrantin, deren Worte ihm klarmachen, dass vor allem die Eucharistie gefährdet ist durch die Pädophilen. Danach opfert er die Ministrantin auf dem Altar der Ignoranz.

Bild von Michael Strobel auf Pixabay

Dritter Akt

Das dargebrachte Opfer mag dem Herrn nicht gefallen haben – jedenfalls durchlebt Ratzinger die Offenbarung des Johannes und führt mit Gott und Teufel gleichermaßen Dialog. Den Vorschlag des Teufels, die Menschen selbst müssten die Kirche besser machen, entlarvt er als böse Falle – denn die Probleme werden durch mehr Glaube einfach verschwinden, wie dies schon immer der Fall war. Dass der Teufel den Finger in die Wunde legt und damit den Helden unseres Arthouse-Films zur ultimativen Konfrontation mit sich selber zwingen will, wird Arthouse-typisch nicht aufgelöst, sondern bleibt als offenes Ende stehen.

Papst Benedikt XVI. – Bild von Wengen auf Pixabay

Ende

Der Film endet mit einem Close Up; Ratzinger wendet sich zur Kamera und durchbricht die vierte Wand. Er spricht: „Wer nicht zuhören will, muss nicht mitfühlen. Wer glaubt, hat immer Recht. Wer die Augen verschließt, sieht kein Unheil. Und wo um Gottes Willen bleibt Macht, wenn Menschen anfangen, angstfrei zu leben.“

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Kategorien: Allgemein

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Viktor Lehmann, Jahrgang 1967, ursprünglich Diplom-Sozialpädagoge, seit langem aber als Kreativer selbständig tätig. Will sein christlich geprägtes Menschenbild nicht verleugnen und ist dennoch für eine strikte Trennung von Staat und Kirche, zum Wohle aller Bürger.

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