Die angeblich um Kinder „besorgte“ katholische Hardlinerin Hedwig von Beverfoerde von der angeblichen „Demo für alle“ beklagt, dass es keine Einschränkung angeblicher „Gay-Netzwerke in der katholischen Kirche“ gebe. Immerhin gebe es doch „harte Fakten“ im Pennsylvania-Missbrauchs-Report. Von Christian Maluck.

Hedwig von Beverfoerde, die in den letzten Tagen auch nicht davor zurückgeschreckt ist, Tweets weiterzuverbreiten, in denen im Zusammenhang mit Homosexuellen in der Kirche die Rede von „Parasiten“, einer „Verseuchung“, einer „Pest“ oder einer „Mafia“ war und nach ‘Ausrottung’ gerufen wurde (s. Artikel dazu in der Blu), wünscht sich offenbar, dass nach den harten Worten nun endlich entsprechende Taten folgen mögen.

Beitrag von Hedwig von Beverfoerde am 25. August 2018

Doch die „harten Fakten“, auf die sich Hedwig von Beverfoerde mit Verweis auf den Pennsylvania-Missbrauchs-Report beruft, sind darin so nicht zu finden. 

Keine Rede von „Gay-Netzwerken“

Fakt ist, dass in dem Missbrauchs-Report keine Rede von sog. „Gay-Netzwerken“ ist und die Missbrauchs-Problematik auch nicht in erster Linie homosexuellen Geistlichen zugeschrieben wird. Der Begriff „homosexual“ kommt auf den insgesamt 1356 Seiten gerade mal 17 Mal vor – im Zusammenhang mit einzelnen Vorfällen oder Opfern. Der Report spricht vielmehr von „Jungen und Mädchen“, die Opfer geworden sind.

Um einen Fakt handelt es sich auch dabei, dass viele von den besonders reaktionären Katholik*innen, die die Missbrauchsproblematik nun Homosexuellen in die Schuhe schieben wollen, sich mit ihren homophoben Standpunkten auch längst einen Namen gemacht haben. Darunter befindet sich etwa auch der Churer Weihbischof Marian Eleganti (Quelle) oder Kardinal Burke, der mit seiner auch von Hedwig von Beverfoerde schon wiederholt weiterverbreiteten „Operation Storm Heaven” zum Massengebet u.a. gegen die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben aufruft.

Burke sieht in Homosexualität ein „Leiden“ und hatte in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen gefordert, dass die Kirche von einer vermeintlichen „homosexuellen Subkultur (..) bis zur Wurzel gereinigt werden“ müsse. Vernichtungswünsche auch hier also.

Kein Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und potenzieller Neigung zu Missbrauch

Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind ja leider nicht neu, und so wurde sich mit der Thematik auch schon vor Jahren wissenschaftlich auseinandergesetzt: 2011 wurde vom John-Jay-College über die Ursachen und Hintergründe der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht (PDF). Sie stellt unter anderem fest:

  • Dass es keinen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gibt. Sexueller Missbrauch entstehe nicht aus der sexuellen Orientierung, sondern aus der Gelegenheit. Diesbezüglich sei das Verhalten auffällig gewordener Priester identisch mit dem Verhalten von Tätern in anderen Einrichtungen.

Weiterhin weist der John-Jay-Report auf Folgendes hin:

  • Es ist wichtig zu beachten, dass sexuelles Verhalten nicht unbedingt einer bestimmten sexuellen Identität entspricht.
  • In einer ergänzenden Fußnote heißt es: Zum Beispiel ist es einem Mann möglich, sich als „heterosexuell“ zu identifizieren, weil er sexuell von erwachsenen Frauen angezogen wird; jedoch kann er einen sexuellen Missbrauch gegen einen männlichen Jugendlichen begehen. Die Gründe für den Missbrauch eines männlichen Minderjährigen sind zahlreich und könnten Probleme wie die Möglichkeit beinhalten, Jugendliche zu missbrauchen.

Und doch sieht ausgerechnet eine Person, die die Förderung der Akzeptanz u.a. von Schwulen und Lesben als gleichwertige Menschen im Unterricht mitunter als „staatlichen Kindesmissbrauch“ bezeichnet, einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche?! Wie wenig überraschend!

Richtig unerträglich bei den Missbrauchsfällen ist, dass diese von vielen Verantwortlichen gedeckt und vertuscht worden sind. Davon dürften die wenigsten schwul gewesen sein. Wer jetzt die Missbrauchsfälle dazu ausschlachtet, um gegen Schwule und Lesben Stimmung zu machen, statt an einer wirklichen Aufklärung interessiert zu sein, dem geht es am allerwenigsten um das Wohl der Kinder und Jugendlichen, die Opfer geworden sind, sondern der will schlicht seinem Hass auf Schwule und Lesben neue Kraft verleihen und trägt letztlich auch mit dazu bei, dass jetzige und künftige Täter weiter gedeckt werden.

Missbrauchs-Report als Download

Der Pennsylvania-Missbrauchs-Report kann hier als PDF heruntergeladen werden (ca. 30 MB): http://media-downloads.pacourts.us/InterimRedactedReportandResponses.pdf?cb=42148

Mehr Informationen zum Thema? Like jetzt unsere Facebook-Seite Besorgte Homos.


besorgter

besorgter

Christian Maluck ist 1973 geboren und verfolgt das Treiben von „besorgten Eltern“ seit dem Jahr 2015. In dieser Zeit hat er sich intensiv mit Bildungsplänen, Bildungspolitik, Sexualpädagogik und Gender Studies und Gender Mainstreaming auseinandergesetzt und wirkt seitdem auch an der Facebook-Seite „Besorgte Homos“ mit (www.facebook.com/besorgte). Aufgrund eigener Diskriminierungserfahrung an der Schule liegen ihm diese Themen besonders am Herzen. Mit LGBTIQ*-Politik beschäftigt sich Christian Maluck bereits seit dem Jahr 2000. Unter anderem war er 12 Jahre ehrenamtlich beim schwul-lesbischen Magazin Uferlos bei Radio LORA München 92,4 engagiert.

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